Windpferdpost

Buchrezension

Juli 18th, 2010 by Ulla Ungerbühler

“Werde, wer du bist.“

Wenn man in einem Plüschpantoffel geboren wurde statt in einem Nest – woher soll man als kleine Ente wissen, dass man eine Ente ist ?
Paola Mastrocolas gefiederte Heldin muss selbst herausfinden, wer sie wirklich ist: Ein Panther? Oder ein Biber? Diese philosophische Geschichte der preisgekrönten italienischen Bestsellerautorin Paola Mastrocola hat die Herzen der Leser im Sturm erobert: Ein berührender Einfall über die schwierige Entdeckung der eigenen Identität. (Text von der Rückseites des Buches)

Vor einigen Monaten war ich auf der Suche nach einem Buch was leicht zu lesen, aber auch humorvoll und philosophisch sein sollte. Dabei habe ich dieses Buch gefunden oder besser gesagt es hat mich gefunden.
Dieses kleine aber feine Buch hat mich sehr berührt, weil es die Dinge auf eine so leichte Art und Weise hinterfragt, sehr viel Weisheit besitzt und mich immer wieder zu schmunzeln gebracht hat.

Hier mal ein kleiner Auszug aus dem Kapitel „An jenem Vormittag machte ein Wolf…“:…vielleicht war es auch nur ein zerstreuter Wolf. Oder er hatte anderes im Kopf. Oder war mit einer Wölfin verlobt, unter Umständen schon seit zehn Jahren, mit einer Wölfin, die er gar nicht mehr liebte, was er ihr allerdings noch nicht gestanden hatte. Oder er kam nicht darauf, dass diese Ente die Liebe seines Lebens war, weil es selten eindeutig ist, wer oder was die Liebe eines Lebens ist. Oder aber er dachte genau das, aber ohne die nötige Überzeugung. Manchmal denken wir an etwas, ohne recht davon überzeugt zu sein, und wenn wir nicht so recht davon überzeugt sind, macht es plopp!, und die Gedanken sind dahin.
Oder aber das Leben ist einfach so, und es gibt den richtigen Zeitpunkt nicht, es hat einfach nicht sollen sein, und es ist eine Legende, dass wir bestimmen können, wie es zu sein hat, es ist einfach, wie es ist…

Ich kann es nur jedem ans Herz legen und da es wie ein Kinderbuch geschrieben ist, ist es auch ideal für unsere lieben Kleinen.
(Rezension von Dennis Engel)

Marita van Heukelom

Juli 18th, 2010 by Ulla Ungerbühler

Ihr Weg zur Meditation und ihre Aufgabe
als Konfliktberaterin im Kölner Shambhala Zentrum

WPRed: Marita, wie bist du zur Meditation gekommen?

Marita: Das war im Januar 1987. In dieser Zeit schrieb ich
meine Diplomarbeit über spirituelle Lebens-
konzepte. Ich habe versucht heraus zu finden, wie
sich Menschen in ihrem Alltag unterscheiden, die
von sich sagen, sie haben ein spirituelles Lebens-
konzept im Gegensatz zu Menschen, die sagen,
sie haben kein spirituelles Lebenskonzept. Mit
zwei Gruppen zu je 15 Teilnehmern habe ich
lange Einzelgespräche geführt und sie zu allen
möglichen Bereichen interviewt, zu Ihrem
Umgang mit Tod und Sterben, zur Partnerschaft
und Familie, Beruf, Höhepunkten sowie Tief-
punkten und über ihre Einstellung zu Schicksal
und Schicksalsschlägen. So habe ich den Dieter
Henselder kennengelernt, der auch Psychologe
und Psychotherapeut ist und der zur damaligen
Bonner Sangha gehörte. Nach dem Interview bin
ich dann noch mehrere Stunden bei ihm „kleben
geblieben“, wo er sich mit mir über das
buddhistische Weltbild, Trungpa Rinpoche und
das Shambhala Mandala ausgetauscht hat, was
mich sehr bewegt und aufgewühlt hat. Am Ende
lud er mich ein, ich solle doch mal sitzen
kommen. Und dann bin ich dahin gegangen und
hab‘ mitgesessen. Das erste Mal, da war es noch
etwas irritierend, aber nach dem 2., 3. Mal hatte
ich das Gefühl wie „zuhause“ anzukommen. Und
das hat mich sehr beeindruckt. So habe ich
angefangen in der Bonner Studiengruppe zu
meditieren, gemeinsam Vorträge von Rinpoche zu
hören und darüber zu diskutieren. Als Chögyam
Trungpa dann im Sterben lag, machten sie dann so
merkwürdige vorbereitende Übungen für sein
Parinirvana und als ich dann von einem aus der
Gruppe noch gefragt wurde, ob ich denn nicht
Lust hätte, mit zur Verbrennung nach Amerika zu
fliegen, hat mich das schon skeptisch gemacht, ob
ich da nicht in einer Sekte gelandet war. Da habe
ich irgendwie gedacht „Näh, ich doch nicht, ich
will doch nur meditieren lernen.“ Zu diesem
Zeitpunkt war das „far away“ von dem was ich
mir so vorstellen konnte. So ist es mir während
des Pfades dann oft ergangen. Als ich etwa ein
Jahr später Shambhala Training Stufe 1 machte,
da war ich total stolz, dass ich so ein Wochenende
gemacht habe, weil ich bis dahin dachte, dass die
anderen wohl lange Programme sitzen können,
aber ich doch nicht! Zwischen Stufe 2 und 3 habe
ich dann schon ein Dathün gesessen. Und auf dem Dathün haben dann Leute gefragt,
gehst du auch nach Amerika zu dem 3-monatigen
Seminary? Ne, ich will doch nur ein bisschen
meditieren… und 4 Jahre später hab‘ ich meine
Stelle gekündigt und war drüben…

WPRed: Das war ja die Zeit, zu der viele Seminare nur
drüben angeboten wurden, die es hier noch nicht
gab.

Marita: Genau. Anfangs habe ich das noch gar nicht
gesehen, wohin das führt, aber ich habe mich mit
der Sitzpraxis und den Belehrungen auf den
Wochenenden wohlgefühlt und habe einfach
gemerkt, wie viel das in meinem Alltag schon in
Bewegung setzt und das hat mich einfach
motiviert, dabei zu bleiben. Ich hatte vorher auch
schon alle möglichen, teilweise wirklich sehr
abgehobenen Leute kennengelernt. Deshalb habe
ich es so geschätzt, dass ich mit dem Sitzen
wirklich mit dem Boden verbunden bin und
trotzdem auch mit dem Himmel. Zwischen
Himmel und Erde gut verbunden zu sein und uns
ganz konkret mit unseren Sinnen und unserem
Leben auseinandersetzen, das spricht mich bis
heute an. Zwischendurch gab es immer mal
wieder Phasen, wo ich auch mal woanders
geguckt habe, was gibt es denn da, aber es gibt
immer wieder das Gefühl, dass Shambhala mein
Zuhause ist.

WPRed: Wie hat für Dich die Meditation bzw. Shambala
Deine Familie sowie Beruf und Dein Verhalten
darin beeinflusst?

Marita: Ich kann mich erinnern meine Shambhala
Trainingsstufen gemacht zu haben, während ich
noch in der Klinik gearbeitet habe. Ich fand es oft
phänomenal, von so einem Wochenende zurück
zu kommen, wie viel Leichtigkeit und Zuversicht
sich da auftat, die Dinge neu anzugehen. Damals
lebte ich allein im Westerwald und hatte das
Gefühl, dass jedes Mal plötzlich wieder wie so ein
Vorhang weggezogen oder eine Tür neu auf-
gegangen war und ich plötzlich so viel mehr
wahrnehmen konnte, was passiert, was wirklich
abgeht, was ich vorher nicht gesehen, nicht
gespürt oder gefühlt hab‘. Das hat mich
manchmal umgehauen.
Also ich hab‘ ein Beispiel, das mir gerade einfällt:
Ich kam von Stufe 4 zurück und hab‘ mich mit
einer Freundin zum Essen in einem Restaurant
verabredet und bekam mit, dass die Freundin sehr
geladen war, also ärgerlich geladen war, dies aber
irgendwie abgedeckt hatte, so nach außen
freundlich, aber innerlich da brummte es. Die
Kellnerin war unterwegs zu uns an den Tisch und
ich hatte meine Bestellung aufgegeben, da konnte
ich spüren, dass die beiden gleich zusammen
knallen würden. Es war so, als wenn das schon im
Raum war und die beiden sich magnetisch
angezogen haben, das brauchte nur noch eine
Form, wo es dann losgehen konnte und es hat
dann auch ordentlich gescheppert. Ich hab‘ das
vorweg sozusagen in Zeitlupe beobachten können.
Es hat mich beeindruckt, wie man einfach mehr
subtile Prozesse mitkriegt. Das ist eigentlich
immer wieder auf allen Ebenen passiert. Für mich
selber gilt das gleiche, bei mir auch mehr
mitzukriegen, was wirklich passiert und vor allen
Dingen Freundschaft damit zu schließen, wie ich
bin und wie ich nicht bin. Das ist natürlich immer
weiter Thema, aber immer wieder an einem an-
deren Punkt.

WPRed: Hat die Meditation Deinen beruflichen
Werdegang beeinflusst, weil du sagst, du hattest in
der Klinik gearbeitet und du hast jetzt eine eigene
Praxis. Wie kam denn da für dich der Knackpunkt?

Marita: Ich wollte mich immer schon selbstständig machen. Im 18. Lebensjahr habe ich Thorwald Detlefsen: „Schicksal als Chance“ gelesen, das war damals für viele ein Einsteigebuch für Reinkarnationstherapie. Da wusste ich, so ähnlich möchte ich Menschen helfen auf den Weg zu kommen. Ich habe gedacht, ich muss in unserem
Gesellschaftssystem dann schauen, von welcher
Basis aus ich das tun kann. Habe also Psychologie
studiert mit dem Wunsch, mich selbstständig zu
machen. War kurz vor dem Diplom dann mal so
gefrustet, weil das so anders war als ich mir das
vorgestellt hab‘, dass ich mich wirklich richtig
zusammen nehmen musste, um diesen Abschluss
zu machen. Heute bin ich froh, da ich natürlich
dadurch die Möglichkeit hatte, in der Klinik zu
arbeiten oder heute können eben Menschen in
meine Kassenpraxis kommen und ich kann dann
auch alle Störungsbilder über die Kasse behandeln.
Aber dieser Wunsch, den Pfad mit einzubringen,
der hat sich schon in der Diplomarbeit aus-
gedrückt: Der Titel war „Transpersonale
Psychologie“ oder vielmehr „ein empirischer
Beitrag zum Begriff der transpersonalen
Persönlichkeit“, weil ich das wissenschaftlich
auch einbetten musste und das war so zu sagen
das Herzstück des Studiums, wo ich jetzt wieder
anknüpfe. Denn ich hab‘ mich zwischenzeitlich
erst einmal etablieren müssen, die ganzen
Ausbildungen, was man als zusätzliche Sachen so
macht. Gleichzeitig bin ich meinen
buddhistischen Pfad gegangen, nach den
Shambhala Stufen habe ich den Theo kennen-
gelernt, unsere Tochter bekommen und eine Familie
gegründet. Dann habe ich erst einmal das
Ngöndro gemacht und den buddhistischen Pfad
weiter verfolgt. Zwischenzeitlich gab es Phasen,
in denen ich auch ganz raus gekommen bin. Ich
habe nicht immer täglich meditiert, sondern bin
den Weg sozusagen schubweise gegangen. Dann
ist Theo ja gestorben. Das war für mich auch noch
einmal ein sehr tiefer Einstieg, wie er gestorben
ist. Das ist jetzt 7 Jahre her und heute ist meine
Tochter 14 Jahre alt und nun habe ich einen
anderen Raum, wieder mehr das zu tun, was ich
ureigentlich tun will. Habe letztes Jahr die Garuda
Praxis eröffnet, wo eben all die Prinzipien des
Shambhala Pfades und des buddhistischen Pfades
miteinfließen und noch weitere Elemente wie z.B.
das „Dämonen füttern“ nach Tsültrim Allione. Sie
hat ein Buch geschrieben mit dem Titel: „Den
Dämonen Nahrung geben“, was auf die Chöd
Praxis von Machig Lapdrön, der Begründerin
einer weiblichen buddhistischen Linie aus dem
12. Jahrhundert, zurückgeht. Tsültrim, die 2007
als Emanation von Machig anerkannt wurde, hat
dies in eine westliche transpersonale Therapie-
form gebracht.
Hier wird das Gegenteil von dem gemacht, was
wir alle kennen. Anstatt zu bekämpfen, was wir an
uns selbst oder anderen nicht mögen, (was
bekanntlich dann eher größer wird anstatt zu
verschwinden) nährt man diese sogenannten
Dämonen mit liebender Güte oder was immer sie
brauchen, wobei sie sich dann verwandeln und als
Verbündete manifestieren.

Das ist wirklich ein phänomenaler Prozess!
Darüber kam ich kürzlich mit Richard Reoch ins
Gespräch und wir entwickeln gerade ein Pro-
gramm, was im Dezember in Köln stattfinden soll,
wo diese innere Transformationsarbeit in
Zusammenklang mit unserem sozialen Engage-
ment im Äußeren kommen soll.

Marita: Indem wir uns mit der Sitzpraxis unseren Geist
anschauen und uns aus unserem inneren und
äußeren Verhaftet-Sein lösen um dann wirklich
hilfreich einschreiten können anstatt unsere
Projektionen auf andere aufzusetzen und dabei oft
neue Feindbilder zu kreieren.

Das ist ein sehr interessanter Punkt für mich. Als
Studentin war ich in der Friedensbewegung und
bin auch auf die Straße und für den Frieden
marschiert und damals ging’s um Pershing 2,
Cruise Missles; diese ganzen Abrüstungs-
verhandlungen, die dann ins Stocken kamen. Ich
wohnte in Bonn in einem Haus in der Bannmeile,
wo ich in der Badewanne saß. Draußen
marschierten die Friedensbewegungsleute und ich
hörte die Schlachtrufe, die kamen mit solcher
Aggression, dass ich in der Badewanne realisierte,
dass ich wohl in der falschen Bewegung bin.
Denn da war ja wieder ein Außenfeind. Das ist
das, was mir bei Shambhala so gut gefällt, oder
bei dem buddhistischen Pfad grundsätzlich, dass
es darum geht, erst einmal den inneren Feind zu
transformieren. Und dass wir dann einfach anders
in der Welt stehen. Wenn wir keine Feinde
brauchen, können wir wirklich hilfreich sein.
Solange wir noch Feindbilder brauchen, machen
wir manchmal das blaue Problem nur grün.

WPRed: Also ich höre in allem, was du sagst, bei dir eine
große Kriegerschaft heraus (jedenfalls klingt das
so für mich). War das so für dich ein Stein, der ins
Rollen gebracht wurde, dass du Kriegerin fürs
Zentrum geworden bist?

Marita: Ja, was war eigentlich der Anlass? Also ich hab‘
im Jahr 2000 mit meinem Mann und unserer
Tochter das Kalapa Assembly in Kanada
mitgemacht und da wurde vom Sakyong der
“Krieger des Zentrums“ eingeführt. Theo wurde
dann Krieger des Zentrums in Bonn und
zwischenzeitlich auch für Köln. Ich habe
mitbekommen, wie schwierig es war, das zu
greifen, was der Sakyong damit meinte, Krieger
des Zentrums zu sein und auch sein Ringen erlebt,
wie er als Krieger dem Zentrum nützen kann.

WPRed: Was ist denn genau der Krieger des Zentrums? Es
ist toll, dass ich jetzt die Gelegenheit habe Dich
zu fragen, da wir ja in der vorletzten Windpferd-
post darauf hingewiesen haben, dass du bisher die
Kriegerin des Zentrums warst und jetzt neue
Aufgaben hast. Ich gehe mal davon aus, dass noch
andere Leser etwas mehr darüber wissen möchten.

Marita: Die Shambhala Zentren haben ja alle einen
Direktor und mehrere Resortleiter der
verschiedenen Komitees, die alles organisieren
und im sogenannten „Rat“ zusammen tagen. Die
Ursprungsidee war für den Krieger im Rat dabei
zu sein und dafür zu sorgen, dass die Ausrichtung
auf das, was wir unter „Erleuchteter Gesellschaft“
verstehen in der „Tagesgeschäfte Mentalität“ nicht
verloren geht. Ich selbst war auch mal 3-4 Jahre
lang in Bonn Direktorin und weiß, wie schnell
man den Blick fürs Ganze oder die eigentliche
Vision verlieren kann. Deswegen sollte der
Krieger des Zentrums nicht in die Geschehnisse
der Tagesprozesse verwickelt, sondern einfach ein
Repräsentant für die Vision sein. Hier und da mal
die Geschwindigkeit raus zu nehmen oder auch
konkret zu unterstützen.

Später kam dann doch als konkrete Aufgabe dazu,
für die Nydia Tage verantwortlich zu sein. Das
sind die Feiertage, die an der Sonnenbewegung
orientiert sind: Die Tag- und Nachtgleiche im
Frühjahr und Herbst und im Winter und Sommer
die Sonnenwende, wo die Gemeinschaft
zusammenkommt und feiert, sich mit der Natur
und den Elementen, mit dem größeren Ganzen
verbindet. Das war so in etwa das „Rohmaterial“.
Jeder Krieger und jede Kriegerin sollte das selber
weiter ausfüllen. Was sich aber als schwierig
gestaltete, so dass das Amt immer wieder brach
lag. Auch als Jörn als Direktor anfing lag es brach
und da hatte ich dann das Gefühl, dass ich es jetzt
machen könnte. Es war eine gute Energie da von
Frische und Neuanfang, da wollte ich gerne dabei
sein und mithelfen. Ich wußte allerdings, dass diese Position schon
im Umbruch war und dass die Vision nun von
einer neuen Position, nämlich dem Resort für
Kultur und Dekorum, was die Sakyong
Wangmo als ihren Teil in das Shambhala Mandala
einbringt, unterstützt und mit getragen werden
sollte. Und da ich als Kriegerin des Zentrums
schon „schlichtermäßig“ angefragt worden war
hat sich im Rahmen dieses Prozesses dann die
Position der Schlichterin entwickelt. Es ist quasi
das eine aus dem anderen entstanden.

WPRed: Weil du ja diejenige sein solltest, die sowieso den
Blick von außen hat.

Marita: Ja, so war es für mich ein natürliches Hinein-
wachsen in die Schlichterposition. Ich bin jetzt
schon ein paarmal angefragt worden und finde es
spannend, etwas zu entwickeln über das, wie es
sich lebendig ergibt.

Marita: Es wurde ja in der Windpferdpost schon
angekündigt und jeder Interessent kann mich
telefonisch oder über E-Mail erreichen oder direkt
im Zentrum ansprechen. Jede/jeder ist herzlich
eingeladen, wenn sie/er mit inneren oder äußeren
Dämonen kämpft, weil sie/er mit jemandem im
Zentrum einen Konflikt hat und nicht weiß, wie
sie/er es angehen soll, mich dazu zu holen. Oder
sich erst mal alleine zu besprechen und dann ein
Gespräch zu dritt oder zu viert zu führen, je
nachdem wer beteiligt ist, was ich dann anleiern
kann.

WPRed: Also hast du ein offenes wachsendes Betätigungs-
feld?

Marita: Es lebt davon, dass ein Bedürfnis besteht und es
Bedarf gibt.

WPRed: Wie sieht Deine Konfliktberatung aus?
Wie gehst du damit um?

Marita: Also zuerst einmal versuche ich zu ergründen,
worum es geht um dann mit dem jeweils
Betroffenen den Konflikt zu fokussieren und
Fragen und Befürchtungen für ein Schlichtungs-
gespräch zu besprechen. Dann versuche ich die
andere Person anzusprechen, mit der Klärungs-
bedarf besteht und stelle mich in meiner Funktion
als Schlichterin vor. Diese Person möchte evtl.
auch erst mit mir alleine sprechen. Danach treffen
wir uns zu dritt. Was dafür sehr wichtig ist, dass
ein Raum da ist, indem jeder sich gesehen und
wertgeschätzt fühlt. Also dass es in keiner Weise
darum geht, dass irgendjemand recht hat und ein
anderer unrecht.

WPRed: Gibt es sowieso nicht.

Marita: Gibt es sowieso nicht! Aber wenn wir uns
verstricken, dann fühlt es sich so an, dass kennen
wir ja alle. Und genau dann die Prinzipien, die wir
hier mit Hilfe vom Sakyong und der Sakyong
Wangmo entwickeln, zur Anwendung zu bringen
und deren Wirksamkeit erleben, das ist ein
spannender Prozess.

WPRed: Kannst du dafür ein Beispiel nennen?

Marita: Dass man sich mit Achtung und Wertschätzung
begegnet, auch wenn es Konflikte gibt, was
natürlich, wenn die Wut kocht, nicht so leicht ist.

Marita: Ich versuche erst einmal zu befrieden. Auch die
Wut ist erlaubt, wenn man gekränkt ist. Es geht es
nicht darum, wenn man wütend oder gekränkt ist,
dass man freundlich sein muss, sondern es geht
darum, dass es authentisch abläuft und dass, wenn
Verletzungen passieren, mit Achtsamkeit damit
umgegangen wird. Nicht nur mit denen, die
vorher schon passiert sind, sondern auch mit
denen, welche während des Gesprächs auftauchen.

WPRed: Also so in die Richtung, was ist meine Aufgabe
darin, was sagt mir meine Wut?

Marita: Ich bin in diesem Gespräch keine reine Psycho-
therapeutin, sondern sehe mich als Schnittpunkt
zwischen Psychotherapeutin und Meditations-
anleiterin. In der Schlichtung versuche ich genau
diese beiden Punkte zu verbinden, denn ein
therapeutisches Gespräch oder ein Gespräch mit
einem Meditationsanweiser kann man auch
unabhängig davon haben. Ich schaue zwar mit meinem therapeutischen
Blick darauf, aber meine Funktion ist nicht die
einer Therapeutin sondern Schlichterin, die aber
beides in der Waage hält. Wut kann auf
verschiedenen Ebenen betrachtet und
transformiert werden, das ist dann zu entwickeln.

WPRed: Was ist dir zum Abschluss unseres Interviews
noch wichtig, was in der Windpferdpost stehen
soll?

Marita: Ich finde es sehr schade, wenn sich Menschen
enttäuscht zurückziehen, weil innerhalb des
Zentrums die gleichen Konflikte passieren wie
draußen auch. Dann hört man oft sagen, dass
diese tollen Programme und was da alles
propagiert wird und der konkrete Alltag nicht
zusammen passen. Es stimmt natürlich, wir sind
hier nicht erleuchtet. Wir haben alle unsere
Neurosen und auf dem Pfad werden sie sogar
noch angeheizt. Dadurch, dass das Ganze noch
mit Energie angereichert wird, kommen unsere
Neurosen oft ganz furchtbar zum Erblühen. Ich
meine jetzt nicht die Psycho-Neurosen, sondern
die geistigen oder Ego-Neurosen, wie Trungpa
Rinpoche sie nannte. Auch der Sakyong betont
immer wieder, dass wir Mitgefühl mit uns selbst
und den anderen brauchen, anstatt einfach kalt
abzuurteilen „da warst du verkehrt, da hast du
mich verletzt, deswegen bist du schuld, etc.“, dass
wir die Projektionen, die wir alle kennen – die ich
auch kenne – immer wieder nutzen, um aufzu-
wachen.
Dabei würde ich gerne helfen. Menschen, die hier
zusammen kommen, sind ja schon auf dem Weg,
haben schon eine Verbindung, möchte auf-
wachen und dass ich in den Gesprächen
vermitteln möchte, diese Chance zu nutzen, die
für alle immer in jedem Konflikt enthalten ist. Ich
finde es sehr schade, wenn Leute sich aus einer
ungeklärten Situation heraus abwenden.
Manchmal können das banale Dinge sein, die
irgendetwas getriggert haben, die dann zu einem
riesigen Hindernis anwachsen. Ich möchte
ermutigen, mich in diesem Sinne zu nutzen und
ich freue mich sehr, wenn ich hilfreich sein kann.

Interviewt wurde Marita von der Windpferdpost-
Redakteurin Ulla Ungerbühler im Rahmen eines
Gemeinschaftstages im Kölner Shambhalazentrum

Deutsche Übersetzung der Seminary Transcripts

Juli 18th, 2010 by Ulla Ungerbühler

Die Entstehungsgeschichte von David Schneider erzählt

Ende 2006 erhielt ich eine interessante E-Mail: Jemand schrieb mir, er sei seit 25 Jahren Buddhist und in den letzten 10 Jahren habe er vornehmlich alleine praktiziert. Um die Lehren besser verstehen zu können, hatte er sehr viele Texte aus den Vajradhatu Seminrary Transcripts von 1973 bis 1985 vom Englischen ins Deutsche übersetzt. Da er sie für seine persönliche Praxis benutzen wollte, waren die Übersetzungen nach Themenschwerpunkten geordnet – Themen, die der Vidyadhara Trungpa Rinpoche in den Seminaren jedes Jahr immer wieder aufs Neue vertieft hatte.
Tatsächlich hatte Jörg Karsten die gesamten Hinayana-Mahayana Transcripts übersetzt und daneben noch eine ganze Reihe anderer Seminare, die Chögyam Trungpa gehalten hatte. Jörg nahm mit mir Kontakt auf, weil ihm die Texte so wertvoll und hilfreich erschienen, dass er sie verlegen wollte, damit auch andere deutschsprachige Studenten davon profitieren können.
Damals wie heute habe ich für Vajradhatu Publications Europa gearbeitet, deshalb war schon aus beruflichen Gründen mein Interesse geweckt, aber auch persönlich war ich recht neugierig. Wenn das richtig war, was Jörg Karsten behauptete, war das eine kolossale Leistung. Sakyong Mipham Rinpoche hat immer wieder betont und gesagt: „Damit der Buddhadharma oder die Lehren von Shambhala langfristig zum Tragen kommen, müssten sie unbedingt in der jeweiligen Muttersprache studiert und praktiziert werden.
Hier schien es bereits einen ganzen Schatz an Texten zu geben, die in einem klaren, lesbaren und korrekten Deutsch übersetzt waren. Nachdem ich einige der Übersetzungen erhalten hatte, zeigte ich sie einigen fortgeschrittenen Studenten wie Acharya Barbara Märtens und Acharya Mathias Pongracz, aber auch ganz neuen Schülern. Acharya Pongracz meinte, dass nicht nur die Übersetzungen gut seien, sondern dass sie auch den berüchtigt hohen Anforderung der österreichischen Shambhalaner genügten. Jeder hob hervor , wie viel konstruktiver es sei, die Texte in Deutsch zu lesen und aufzunehmen.
Bemerkenswert ist auch, dass Herr Karsten auf eine hochinteressante Weise gearbeitet hat. Er besaß zwei Computer und zwei Bildschirme. Auf einem Bildschirm erschien das eingescannte englische Transkript. Das Original im Blick, las er seine Übersetzung laut vor, was von einem Spracherkennungsprogramm aufgezeichnet wurde, wodurch die deutsche Version auf dem zweiten Bildschirm erschien.
Nachdem eine gewisse Menge an Texten auf diese Weise übersetzt war, hat er sie überarbeitet, um Korrekturen vorzunehmen. Obwohl er die Texte übersetzt hat, um sie später auf Papier drucken zu können, benutzte Herr Karsten als Grundlage seiner Arbeit eine mündliche Übertragung.
Zweifelsohne hatte dies einen wesentlichen Anteil an der Qualität der Übersetzung, denn sie entsprachen der ursprünglichen Art des Lehrens. Stets war es ein mündlicher Vortrag, den Trungpa Rinpoche vor seinen Studenten hielt.
Einige Hindernisse galt es jedoch noch zu überwinden: Die Bücher, ursprünglich nach Themen gegliedert, mussten wieder getrennt und entsprechend den eigentlichen Transcripts zusammengestellt werden, denn seit fast 500 Jahren – seit der Zeit von Johannes Gutenberg – unterliegen Druckerzeugnisse den Beschränkungen von Genehmigungen und Copyright. Praktisch gesehen bedeutete das: wir brauchten die Erlaubnis von Lady Diana Mukpo. Übersetzungsrechte für Bücher zu bekommen, die es bereits in einer Sprache gibt, ist ein geläufiger Vorgang. Hingegen die Übersetzungsrechte für Bücher zu bekommen, die es noch nicht einmal auf Englisch gibt, ist eine ganz andere, eine sehr viel schwierigere Angelegenheit.
Der Gedanke die Transcripts nach Themen zu ordnen, ist keineswegs neu oder ungewöhnlich; es ist eine recht praktische Idee. Tatsächlich werden die Seminay Transcripts von Chögyam Trungpa im Moment von Shambhala Publications auf diese Weise strukturiert, um sie irgendwann in den kommenden Jahren vorzustellen. Dieses Vorhaben wird als Root Text Project bezeichnet, wobei dies ein langfristiges Publikationsprojekt wird und noch viel Mühe erfordert.
Ich fuhr also nach Mainz in die Heimatstadt von Herrn Gutenberg, die auch die Heimatstadt von Herrn Karsten ist, um die Vertragsbedingungen zu besprechen. Darüber hinaus mussten die Verträge noch mit Shambhala Publications und der Vertragsbevollmächtigten von Lady Diana, Frau Caroly Gimian ausgehandelt werden.
In der Zwischenzeit begann Herr Karsten, seine Texte neu zusammenzustellen und gemeinsam mit einer professionellen Lektorin des Shambhala-Sangha, Frau Ines Brenner akribisch zu überarbeiten. Im Jahre 2009 wurden schließlich die ersten Bände veröffentlicht.
Im Moment sind die Hinayana-Mahayana Transcripts von 1974 und 1979 erhältlich. Der Band von 1976 wird voraussichtlich in den nächsten Wochen erscheinen.
Ich hoffe inständig, dass diese Arbeit fortgesetzt wird und sehr vielen deutschsprachigen Suchenden auf ihrem Weg weiterhilft.

Weitere Informationen zum Inhalt der Bände und Bestellungen beim Verlag:

www.dharma-chakra.de
Edition Dharma-Chakra
Jörg Karsten
Mombacher Str. 55
55122 Mainz
Email: info@dharma-chakra.de

Desweiteren sind die Bücher auch über den Ridgenshop erhältlich:

http://shop.rigden.info/

oder im DLC-Shop in Dechen Chöling.

Shambhala Haushalte

Juli 18th, 2010 by Ulla Ungerbühler

Sakyong Mipham Rinpoche
Shambhala Haushalte
Kalapa Court, November 2009

Präsident Richard Reoch: Liebe Freunde, ich spreche zu euch vom Kalapa-Court hier in Halifax. Der vierte Shambhala Kongress ist gerade mal ein paar Tage her und heute ist der Geburtstag des Sakyong. Und es war heute, dass er mich in den Court eingeladen hat, um mir mitzuteilen, dass er für die gesamte Shambhala Führungsebene eine Botschaft zusammengestellt hat, eine Botschaft, die für alle in Shambhala bestimmt ist.

Eure Hoheit, wie Sie wissen, lautete das Thema des vierten Shambhala Kongresses: “Die Gemeinschaft erforschen.” Was meinen Sie, sei der nächste Schritt bei der Entwicklung einer Shambhala Gesellschaft?

SMR: Nun, zuerst einmal bin ich sehr erfreut über den Ablauf des Kongresses und wie all diese Prinzipien und Bestrebungen zusammengeführt und auf eine erstaunliche Weise klargestellt wurden. Ich bin wirklich begeistert von diesem Kongress.
Was unseren nächsten Schritt betrifft, erscheint es sehr vielversprechend und kommt genau zur rechten Zeit, bevor ich ins Retreat gehe.

Im Lauf der Jahre drängte sich mir das Gefühl auf, dass ein Element fehlt. Am Anfang habe ich mich verstärkt den Dorje Kasung, ihrer Stärke und ihrer Struktur gewidmet und dann selbstverständlich auch den Acharyas – ich muss sagen, sie alle arbeiten wunderbar und diese Gruppe ist sehr stark – und schließlich habe ich geschaut, dass die Leitung und die Verwaltung zusammenfinden.

Mir scheint, das nächste Prinzip, das wir betrachten sollten, ist die Vorstellung eines Shambhala Haushaltes, was mit dem Prinzip des Kalapa Court im Zentrum von Shambhala verknüpft ist.

Wenn man sich das traditionelle Thangka von Shambhala betrachtet, sitzt der Rigden gewöhnlich auf einem achtblättrigen Lotus und um ihn herum befinden sich viele Haushalte.

Deshalb ist geschichtlich betrachtet, Shambhala mit Leben im Haushalt verknüpft, mit den vielen Millionen von Haushalten, die es in Shambhala gibt.

Der Kalapa-Court ist der zentrale Haushalt, in denen der Sakyong und die Sakyong Wangmo leben. Es ist das Prinzip einer Familie als eine Einheit, im Gegensatz zu einem einzelnen Individuum. Mir scheint dies ist etwas, das wir anstreben und weiterentwickeln sollten.

Ich denke, die nächste Stufe ist wirklich dieses Thema eines Shambhala-Haushaltes und die Frage, wie können all unsere Gemeinschaften im Wesentlichen zu Hausgemeinschaften werden.
Die Leute könnten den Beschluss fassen: Ich möchte als Shambhala-Haushälter leben – und daran könnten sie mitwirken. Vielleicht sende ich ein Rundschreiben oder eine Art förmliches Anerkenntnis, dass das jeweilige Zuhause ein offizieller Shambhala-Haushalt ist und dass man sein Leben auf bestimmten Prinzipien aufbaut, die mit dem Prinzip einer königlichen Haushaltsführung übereinstimmen und damit wie wir unser Zuhause und unser Leben gestalten. Die Shambhala-Zentren sind wunderschön geworden, aber manchmal entstanden auch Spannungen und Unstimmigkeiten: Wir haben unser Leben gelebt, hin und wieder das Shambhala Zentrum besucht und an Aktivitäten teilgenommen. Ich denke, um für uns einen sozialen Wandel herbeizuführen, müssen wir ihn auf unsere häusliche Ebene zurückführen.

Einen Haushalt zu führen, bedeutet nicht notwendigerweise, im traditionellen Sinne verheiratet zu sein. Auch ein Junggeselle kann ein Haushälter sein oder einzelne Leute, die an einem Ort zusammenleben, der essenziell ihr Zuhause ist, ihr Palast, ihr Hofstaat oder ihre Bastion – oder wie immer sie darüber denken – ein Hort der Stabilität oder ein Familiensitz. Davon ausgehend leben sie ein aktives und gedeihendes Leben. Heutzutage ist dies eines der Kernthemen, dieses Prinzip eines Haushaltes und die Art, wie wir mit einem gemeinschaftlichen Prinzip zusammenleben, mit dem wir am Morgen aufstehen.

Ich denke nicht, dass dies besonders schwerfällig oder angespannt ablaufen muss. Es kann sehr nützlich und praktisch sein: Ich denke, die Leute sollten ihre Küchenherde sauber halten und sollten als Shambhalianer handeln, was in der Art und Weise zum Ausdruck kommt, wie sie ein Bad nehmen, wie sie ihre Wohnung sauber halten, wie sie sprechen und so weiter. Oft benutzen wir unser Heim, um darin zu überwintern oder als Hort, um vor etwas davonzulaufen und um irgendwie abzuschalten.
Wenn man einen Shambhala-Haushalt betritt, sollte er eine Atmosphäre von Fröhlichkeit, Erhabenheit und Freude ausstrahlen. Ebenso sollte es auch einen deutlich fühlbaren Sinn für Disziplin geben, was bedeutet, dass jemand an etwas arbeitet. Was nicht heißen soll, dass wir stets erfolgreich sind, dennoch haben wir ein gewisses Prinzip, mit dem wir arbeiten – und das steht im Gegensatz zu der Einstellung, dass dies mein Territorium ist und ich nicht will, dass da irgendjemand hereinplatzt.

In einem Shambhala-Haushalt betrachten wir unser Leben als eingebettet. Wir erkennen, dass jeder Aspekt des Lebens ein Prinzip von grundlegender Gutheit umfasst, dass es eine Gelegenheit bietet, sich zu entwickeln und zu üben. Generell kann man sagen, wenn wir disziplinierter sind und es eine gewisse Struktur oder ein Prinzip gibt, mit dem wir leben, sind wir viel fröhlicher. Wir sind glücklichere Menschen.

Oftmals haben wir das Gefühl, uns loslösen zu wollen und schließlich Zuhause frei zu sein, wo wir alles tun können, was wir wollen. Häufig führt das jedoch zu noch mehr Selbstbezogenheit und Egozentrik. Es fehlt an Inspiration und wie verlieren völlig den Durchblick und die Perspektive. Deshalb sollte es einen Sinn für Fröhlichkeit und eine gewisse Richtschnur geben.

Wenn du nach Hause kommst, könntest du einen Küchenaltar vorfinden, der mit bestimmten Elementen arrangiert ist, und auf diese Weise könnten wir unser Zuhause als einen Shambhala Haushalt kennzeichnen. Das kann ein Bild vom Court sein oder man könnte eine spezielle Praxis zelebrieren, wie eine kurze vierstrophige Rezitation. Oder man könnte über bestimmte spirituelle Themen nachdenken.

PRR: Sie haben viel über die Beziehung zwischen dem Court und dem Haushalt gesprochen. Das klingt, als würden sie jeden Haushalt als eine Art Mini-Court betrachten. Gibt es ein übereinstimmendes hofstaatliches Prinzip?

SMR: Das hofstaatliche Court-Prinzip ist das Mandala-Prinzip. Es ist ein ausgewogenes Grundprinzip, es ist das Männliche und das Weibliche, die Vater-Mutter Linie, die Vereinigung dieser Energien, die Vereinigung von Sanftheit und Furchtlosigkeit, von Prajna und Weisheit.

Man hat also das Männliche/Weibliche und jedes hat seine bestimmte Funktion, dennoch ist es das universelle Prinzip und das ausgewogene Prinzip des Hofstaates, was das Mandala Prinzip darstellt, in denen alles seinen Platz hat. Was jedoch nicht Unterdrückung bedeutet, sondern alles hat eine spezielle Funktion. Wenn zum Beispiel ein Ehemann und eine Frau nicht ihre jeweilige Funktion ausüben, beginnt die Familieneinheit zu zerbrechen und die Kinder können nicht mehr klar erkennen, was Rangfolge bedeutet und sie lassen die Dinge schleifen und alles wird auf den Kopf gestellt. Deshalb umfasst die ganze Sache ein allgemein gültiges Prinzip, und das ist das Court-Prinzip.
Auf der Ebene des Königreichs von Shambhala ist der Kalapa-Court der Haushalt, in dem die Leiter der Gemeinschaft leben.

In jedem Shambhala-Zentrum jedoch wird man Varianten davon vorfinden, mit örtlichen Leitern, den Direktoren, von denen jeder es auf seine spezielle Weise nachempfindet und verwirklicht. Es gibt eine ganze Bandbreite von Leuten: Alleinstehende, es kann ein homosexuelles Paar sein, es können Leute sein, die in einer Wohngemeinschaft zusammenleben – Leute, die man auf irgendeine Weise sozialdiskriminiert hat und nun zusammenleben.

Das ist es was wir meinen, wenn wir normalerweise von den sieben Reichtümern des Sakyong sprechen: Der kostbare Minister, der kostbare General, der Elefant, das Pferd – sie alle repräsentieren in der Überlieferung bestimmte Aspekte.

Zum Beispiel die Standfestigkeit und die Vorstellung des Generals bedeuten, dass jeder von uns, auch wenn wir Singles sind, einen General bzw. das Prinzip des Schutzes haben sollte. Ebenso brauchen wir jemanden, der uns gute Ratschläge gibt. Das Charakteristikum der Königin ist das Prinzip einer Gemahlin, jemanden, mit dem wir, die Vorstellung von Annehmlichkeit und gegenseitigem Anstand teilen, jemanden, der uns ein unmittelbares Feedback gibt, mit dem uns wir auf eine bestimmte Weise auseinandersetzen.
Wenn wir dieses Prinzip oder das Prinzip der Standfestigkeit, des Pferdes oder der Würde des Elefanten nicht haben, fehlen unserem Leben gewisse Dinge, die wir in diesen Bereichen benötigen. All dies sind universelle und historische Grundprinzipien, die jeder von uns braucht und ich glaube, dass wir sie alle anstreben.

Ein Shambhala-Haushalt ist ein Drala-Fänger, was bedeutet: Er ist ein Ort, indem alles – Magie, glückliche Verheißung und Praxis – miteinander verbunden werden können. Da wir als menschliche Wesen geboren wurden, sind wir gesellig und leben in Gruppen zusammen. Der Haushalt ist diese grundlegende Gruppe, die sich nicht wandelt. Die Art, wie viele von uns heutzutag aufgewachsen sind, basiert jedoch auf dem Individuum und diese Ausrichtung schafft oftmals Hindernisse, weil wir nicht wissen, wie man einen Haushalt führt. Uns ist nicht klar, wie das verwirklicht werden kann. Obwohl wir Meditation praktizieren mögen, ist unser Haushalt vollständig aus dem Gleichgewicht geraten. Nur mit Praxis alleine können wir einen gewissen Kern verwirklichen, aber es reicht nicht, um letztendlich das zu tun, was notwendig ist.

Der Haushalt ist auch eine sehr wichtige Kernzelle für sozialen Wandel. Den Niedergang des Haushaltes – wobei nicht unbedingt die Familie gemeint ist – beginnt die gesamte Gesellschaft zu beeinflussen. Deshalb fehlt es ihr an Harmonie. Wenn es keine Freundlichkeit, Einfühlungsvermögen und Sympathie gibt, die im Haushalt kultiviert werden, ist es schwierig, dies auf der nationalen Ebene zu verwirklichen, weil dieses Gefühl von Verwandtschaft und Wertschätzung nicht entwickelt wurde. In dem Fall gibt es nur mich in meinem Haushalt. Dies ist etwas, über das wir nachdenken sollten. Um was geht es bei Shambhala? Es geht nicht nur um den Einzelnen, es geht um den Haushalt, es geht um die Gesellschaft.

Für Shambhalianer bedeutet das in der Tat eine besondere Botschaft. Viele Organisationen und spirituelle Gruppen bestehen aus Einzelnen, die praktizieren. Ich denke, Shambhala kann wirklich seine Grundsätze bekunden, und behaupten: Bei uns geht es um den Haushalt. Wenn wir das betonen und den Leuten helfen können, zu verstehen, dass ursprünglich gesehen der Haushalt der grundlegende Baustein von Shambhala ist und dass dieses Prinzip Shambhala kennzeichnet und von anderen unterscheidet, wird das viel Kraft erzeugen. Jeder hat seine persönliche Herangehens weise, aber in Shambhala gibt es diesen einen Unterschied: Die Basis ist der Haushalt. Der Haushalt ist die grundlegende Sammelstelle all dieser Aspekte deines Lebens. Er lässt sie Gestalt annehmen.

PRR: Wie steht das im Zusammenhang mit der Idee der Deleks?

SMR: Es war sehr schwierig, die Deleks zusammenzubringen, wenn ihr Haushalt nicht auf den gleichen Prinzipien basierte. Ich denke, dass die Deleks eine natürliche Erweiterung des Shambhala Haushaltes sind; das Zueinanderfinden wird ganz natürlich stattfinden. Für die Shambhala-Zentren wird das zu einem großen Wandel führen. Ich denke, in den Shambhala-Zentren wird das einen verstärkten sozialen Austausch nach sich ziehen, und es wird sehr viel tiefer gehen.

Vieles, was sich in den Zentren abspielt, könnte verstärkt auf der Haushaltsebene stattfinden. Früher haben die Leute oft ein Shambhala-Zentrum besucht – oder sind nicht hingegangen und haben sich in ihren Haushalt zurückgezogen. Es war schon fast so, als wollten sie mit ihrer Teilnahme oder ihrer Nichtteilnahme einen Stimmzettel abgeben. Dadurch entstand eine Atmosphäre, in der manche das Gefühl hatten, etwas zu tun und andere meinten, etwas nicht zu tun. Wenn dann einige Leute das Shambhala-Zentrum besuchten, hatten sie ein schlechtes Gewissen, weil sie eine Zeit lang nicht gekommen waren oder was auch immer.

Somit gibt es hier ein sehr viel breiteres Spektrum, an dem jeder teilnimmt und praktiziert: Selbst wenn man nicht an der regulären Praxis teilnimmt, nimmt man doch an der Praxis des Haushaltes teil, was dann offensichtlich wiederum deine eigene Praxis ist. Wenn du daraufhin ein Shambhala-Zentrum besuchst, bietet all das sehr viel mehr Anregung und Belebung. Es gibt weniger zweigeteiltes Denken, und das Zahnrad der Energie wird sich in den Zentren sehr viel dynamischer bewegen. Es wird sehr viel geselliger.

Oft besuchen Leute das Shambhala Zentrum so, als wäre es ihr Wohnzimmer – sie wollen einfach entspannen und herumhängen. Sie wollen nicht, dass neue Leute kommen, wodurch es einfach viel zu gemütlich wird. Sicherlich brauchen die Leute eine gewisse Behaglichkeit, die jedoch können sie bei sich Zuhause finden. Wenn Sie das Shambhala Zentrum besuchen, ist das sehr viel anspruchsvoller. Besucher haben so viele Fragen zur Praxis auf dem Sitzkissen oder Fragen bei einem Programm, wie man all diese Praktiken in sein Leben integriert?

Was sie tatsächlich fragen ist: “Wie integriert man die Praxis in das Umfeld seines Haushaltes?” Wenn es keine Struktur gibt oder man nicht weiß, wie all dies mit dem Haushalt zusammenhängt, sind all diese Praktiken nur ein vorübergehendes Heftpflaster. Wir müssen den Gesamtzusammenhang betrachten. Den Gesamtzusammenhang zu betrachten. Das bedeutet: Die Praxis in unserem Leben, in unserem tatsächlichen Alltag anzuwenden. Wenn dies zu geschehen beginnt, wird das einen tiefen Eindruck hinterlassen. Wir könnten beispielsweise eine Internetseite erstellen, auf der die Leute sehen können, welche Medikationspraxis in der Woche oder an dem jeweiligen Tag stattfindet.

Die Shambhala-Zentren könnten auch ein Ausgangspunkt für eigene Initiativen sein. Wenn zum Beispiel Leute Schwierigkeiten in Beziehungen haben, können wir einen Therapeuten oder Helfer stellen, der ihnen zeigt, wie man auf der Ebene des Haushaltes damit arbeitet. Wenn jemand in finanziellen Schwierigkeiten steckt, können wir den Leuten helfen und erläutern, wie man im Haushalt damit umgeht.

Wir können den Leuten diese Prinzipien erklären. Wobei wir ihnen nicht vorschreiben werden, dass für sich genommen dieses falsch und jenes richtig ist, sondern wir können ein grundlegendes Verständnis dieser Prinzipien anbieten. Man könnte zum Beispiel fragen: “Gibt es in deinem Haushalt einen Sinn für Fröhlichkeit, Würde und Harmonie? Wie ist die Beziehung zu deinen Kindern? Wie steht es mit der Ausgewogenheit in deinem Arbeitsleben?”

Was die Situationen in ihrer Familie betrifft, sind die Leute oft sehr spitzfindig. Sie begeben sich auf eine rein funktionale Ebene, auf der es keinerlei Vision gibt, deshalb meine ich, sollten wir uns gegenseitig helfen, die Vision zu bewahren. In der Tradition arbeitest du mit einer bestimmten Vision, dem Prinzip des Lha, mit einer Arbeitsbasis, dem Prinzip des Nyen und außerdem arbeitest du mit dem Prinzip des Lu, was bedeutet: Sehr grundlegende und einfache Dinge zu verwirklichen. Wenn deine Wohnung nicht sauber ist, dann ist es nicht ordentlich und du praktizierst nicht entsprechend. Somit ist es schwierig von der Linie Hilfe für deine Praxis zu bekommen und zu fragen:” Wie kann ich dieses Problem vom Kopf her lösen?” Du musst das ganze Ding betrachten. Es geht hier also um diese Vorstellung wirklich da zu sein, es zu Hause zu verwirklichen und dir klar zu werden: “Genau so muss ich praktizieren.”

PRR: Können sie uns irgendwelche speziellen praktischen Hinweise geben, die wir im Auge behalten sollen, wenn wir dies tun?

SMR: Nun, hier im Kalapa-Court, will Khandro Tseyang, die Sakyong Wangmo gerne alles sauber halten und mag es ordentlich. Den Mitarbeitern des Courts habe ich mitgeteilt, dass dies das Vorbild sein sollte; deshalb sollte unser Herd der sauberste Herd sein. Jeder Herd im Haushalt sollte sauber sein. Von dort kommt dein ziji oder wanghtang – deine Energie, denn es repräsentiert das Feuer, es ist die Küche.

Wenn der Herd schmutzig bleibt, sagst du dir: Dann muss ich auch das Geschirr nicht abspülen. Anschließend räumst du deine Sachen nicht mehr weg. Schließlich meinst du: Es ist sinnlos sich zu duschen, ich lass mich ganz gehen und tue, was ich will. Auf diese Weise zerfällt alles.

Es mag Zeiten geben, wie Sonntagsmorgens, an denen du einfach im Pyjama runterkommst, was in Ordnung sein mag. Aber prinzipiell betrachtet gilt, wenn der Haushalt verfällt, beginnen auch andere Dinge zu zerfallen. Manchmal scheint uns, dass weniger Struktur auch mehr Freiheit bedeutet, dennoch ist eine gewisse Struktur notwendig.
Ich finde es gut, wenn in unserer Gemeinschaft bestimmte Haushalte, wie beispielsweise die an der Ostküste, sich entscheiden alle zur gleichen Zeit zu praktizieren, dann weiß jeder, dass alle Shambhala-Haushalte im selben Moment praktizieren.

Ich denke, man könnte zu diesem Anlass auch ein bestimmtes Essen servieren. Ein Aspekt eines Shambhala Haushaltes bedeutet, dass man an bestimmten Aktivitäten der Shambhala-Zentren teilnimmt, wie dem Shambhala-Tag oder der Johannisnacht, die in kultureller Hinsicht für jeden sehr kraftspendend sind. Ein anderes wichtiges Element wäre, dass all den Kindern, die in den Shambhala Haushalten geboren werden, eine Shambhala-Geburtstagsurkunde gegeben werden sollte, als Erinnerung, dass sie auf diese Weise daran teilhaben, dass sie in diese Situation hinein geboren wurden. Auf diese Weise entsteht ein wirkliches Gefühl der Gemeinschaft. Man nimmt tatsächlich daran teil.

PRR: Das klingt, als läge darin ein leuchtendstrahlendes Element, was sich ein bisschen von dem unterscheidet, was viele von uns unter der früheren Vorstellung eines Yogi-Haushaltes verstanden haben. Gibt es hier irgendwelche Unterschiede?

SMR: Es ist eine Veränderung der Akzente gegenüber dem Yogi-Haushalt, der eine sehr romantische Vorstellung beinhaltet. Oft haben die Leute das Gefühl, als würde ihnen der eigene Haushalt ihre Rechte entziehen, ähnlich als wären sie ein Yogi, den man in einem Haus eingesperrt hat und nun nichts mehr mit dem zu tun haben will, was um ihn herum geschieht. Sie wollen einfach nur praktizieren. Es ist fast schon so, als hätte man den Yogi aus dem Wald geholt und ihn in ein Haus gesperrt.
Sicherlich kann man, wenn man sehr weit entwickelt ist, überall praktizieren. Aber sich als ein Yogi-Haushälter zu betrachten, schafft eine individuelle Ebene der Praxis, die im Gegensatz steht zu der Ansicht, dass dem Haushalt etwas innewohnt, das wirklich würdevoll ist.

Mensch und Haushalt haben generell die gleiche Beziehung wie Geist und Körper. Der Körper ist das Haus und das Bewusstsein ist dieses Individuum, das in einem Haus lebt. Wie aber schafft man ein Gleichgewicht zwischen diesen Dingen? Yogi-Haushälter wollen oft der Gesellschaft entfliehen. Wenn sie von ihrer Wohnung ins Shambhala-Zentrum gehen, wollen sie sich nicht wirklich einlassen. Darum wird das etwas problematisch.Das grundlegende Prinzip von Shambhala ist der Haushalt. Der nächste Schritt für uns bedeutet, die Shambhala-Haushalte zu verwirklichen, was bisher noch nicht vollständig gelungen ist.
Es wurde bereits verschiedentlich probiert, aber nun haben wir uns weiterentwickelt. Wir haben jetzt die zentrale Praxis des Werm Sadhana mit der Shambhala-Linie in Übereinstimmung gebracht.
Diese Prinzipien anzunehmen, schafft tatsächlich sehr viel Kraft. Es ist schwierig, der Welt zu helfen, wenn die Leute sich nur als Individuen betrachten und sich von ihrem Haushalt und der Familie distanzieren wollen. Das ist widersinnig. Wir müssen herausfinden, wie man das überbrücken kann. Dies ist die nächste Stufe unserer Evolution: Wie können wir einzelne Haushälterkrieger werden? Wenn wir in Zukunft von Shambhala sprechen, können wir die Zahl der Mitglieder nicht durch die Anzahl Individuen bestimmen, sondern davon, wie viele Haushalte es in Shambhala gibt. Das wäre ein ideales Szenario.

In eigener Sache

Juli 18th, 2010 by Ulla Ungerbühler

Wir suchen Verstärkung für die Windpferdpost-Redaktion:

Wer hat Lust…
• mit am Layout zu arbeiten?

• Interviews aus zu arbeiten und zu führen?

• sich durch (Miksang) Bilder an einem Bilderpool zu beteiligen?

• gerne Geschichten zu schreiben, die wir hier veröffentlichen?

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• über Erfahrungen bei den Programmen, Dathün, etc. zu schreiben – oder möchte sich darüber interviewen lassen?

• über coole Filme / Bücher / Veranstaltungen zu schreiben?

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Ich freue mich auf Eure Kontaktaufnahme und beantworte gerne Eure Fragen.

Bitte meldet Euch bei:
Ulla Ungerbühler
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Tel: 0202 7588392

Windpferdpost Ausgabe 2/2010

April 14th, 2010 by Ulla Ungerbühler

windpferdpost_2_2010

Liebe Freunde von Shambhala,

diesmal erscheint unsere Windpferdpost in einer neuen Gestaltung.

Außerdem haben wir die Bezeichnung der Ausgaben Reihenfolge geändert. Es ist insgesamt die 3. Ausgabe und die 2. für das Jahr 2010. (3. Mond im männlichen Eisentigerjahr).

Wir wünschen Euch viel Freude beim Lesen.

Eure Redaktion

Windpferdpost : Ausgabe 2

März 12th, 2010 by Jörn Wieland

windpferdpost-24

Windpferdpost : Ausgabe 1

Dezember 20th, 2009 by Ulla Ungerbühler


windpferdpost-ausgabe1

Sie ist endlich da – die erste Ausgabe.

Wir wünschen viel Freude beim Lesen und jede Rückmeldung ist willkommen.

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